Sind die Chroniken von Shannara ein Abklatsch von Herr der Ringe?

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Sind die Chroniken von Shannara eine Art Serienversion von Herr der Ringe?

Die Chroniken von Shannara sind eine US-amerikanische Fantasyserie, die auf den gleichnamigen Romanen von Erfolgsautor Terry Brooks basieren. Sie wurden im März 2016 bei Amazon wöchentlich ausgestrahlt. Leider umfasst die erste Staffel nur 10 Epsisoden. Damit war die sie relativ schnell und begeistert durchgeschaut, und das obwohl ich vor Jahren den ersten Teil von Brooks Romanreihe gelesen hatte und relativ ernüchtert war. Bei der Serie hingegen herrscht absolute Suchtgefahr. Die zweite Staffel wird im Herbst diesen Jahres erwartet. Wenn ich mit Freunden über die Serie gesprochen habe, kam ich nicht umhin, sie mit Herr der Ringe zu vergleichen. Parallelen sind spürbar, aber sie waren lange Zeit nicht greifbar für mich. Könnte man The Shannara Chronicles als eine Art Serienversion von Herr der Ringe verstehen? Fans von Tolkiens Meisterwerk werden jetzt lachen, aber die Frage ist durchaus ernst gemeint. Deswegen werden wir ihr jetzt nachgehen.

Die Handlung von den Chroniken von Shannara kommt bekannt vor

Die Handlung setzt 2 Generationen nach den Großen Kriegen ein. In diesen wurden große Teile der Welt durch Massenvernichtungswaffen unbewohnbar gemacht. Die große Zerstörung wirft die Menschen technologisch in eine Art Mittelalter zurück. Zudem hat sich eine neue Gesellschaft etabliert und neben den Menschen bildeten sich vier weitere Rassen aus: Elfen, Gnome, Trolle und Zwerge. Hier haben wir schon eine gewisse Ähnlichkeit zu Herr der Ringe. Was in Shannara Elfen genannt wird, sind die Elben in Herr der Ringe. Die Trolle sind mit Orgs vergleichbar usw. In Anbetracht der Tatsache, dass es in vielen fiktiven Welten des TVs, der Literatur und der PC- & Konsolenspiele Rassen gibt, sollte man die Existenz derer in den Chroniken von Shannara jetzt nicht überbewerten. Eine Gemeinsamkeit ist es dennoch, wenn auch noch so klein. Kehren wir nun wieder zur Handlung zurück.

Die Handlung startet in Arborlon im Königreich der Elfen, wo Hauptfigur Amberle (Poppy Drayton), die Enkelin des Elfenkönigs Eventine Elessedil (John Rhys-Davies), an einem Wettkampf teilnimmt, um neue Hüterin des Ellcrys-Baums zu werden. Am gleichen Tag erkrankt der Baum, was verheerende Folgen für die Welt hat, denn in jedem Blatt der magischen Pflanze ist ein Dämon gefangen. Das erste Blatt fällt und der Dämonenherrscher Dagda Mor (Jed Brophy) wird aus seiner Verbannung befreit. Amberle muss sich auf den Weg machen und einen Samen des Ellcrys zum Blutfeuer bringen, von dem „praktischerweise“ aber keiner so recht weiß, wo es liegt. Auf ihrem Weg lernt Amberle den Halbelfen Wil (Austin Butler) und die Diebestochter Eretria (Ivana Baquero) kennen. Dadurch entsteht eine schlagkräftige Allianz aus Elfen und Menschen. Angehörige anderer Rassen folgen, wenngleich diese drei zentral für die Handlung bleiben.

Erinnert das nicht an die Gefährten aus Herr der Ringe?

Zusammen sagen sie dem Bösen den Kampf an und versuchen das sagenumwobene Blutfeuer zu finden. Gleichzeitig erwacht Allanon (Manu Bennett), der letzte Überlebende der Druiden, aus seinem mystischen Schlaf, um dem Dagda Mor endgültig ein Ende zu bereiten. Wie Tolkien stellt auch Brooks seinen Helden einen mächtigen Magier zur Seite. Einziger Unterschied zu Gandalf ist, dass Allanon in jüngerer Form und muskulöserer Statur mit größerem Sexappeal daherkommt. Wird die Allianz des guten gegen die wachsende Armee des Dagda Mor ankommen und die Welt retten können?

Amberle, Will und Eritrea an einem Seil
Bild 1: Werden die drei das Blutfeuer finden und Aberlon retten können?

Der Cast der Fantasyserie

Hier stehen heute mal die Nebendarsteller im Rampenlicht. Wie es der Zufall will oder auch nicht, haben sich die Produzenten der Shannara Chronicles dazu entschlossen, zwei Schauspieler aus Mittelerde für ihre Fantasyserie zu recyclen. Wir sprechen hier von John Rhys-Davies, der den Elfenkönig Eventine Elessedil spielt und von Manu Bennett, der uns als kampfeslustiger Druide begeistert. John Rhys-Davies spielte in Herr der Ringe den kämpferischen Zwerg Gimli. Witzigerweise lassen sich zwischen dem Elfenkönig und dem Zwerg gewisse charakterliche Gemeinsamkeiten entdecken. Sie sind beide störrisch und stur, lassen aber keinen Zweifel daran, dass ihnen das Wohlergehen ihrer Lieben so sehr am Herzen liegt, dass sie dafür sterben würden. Manu Bennett spielte in Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere den blutrünstigen Org-Anführer Azog. Mit dem Charakter des Allanon hat Azog nur zwei Dinge gemein: den ausgeprägten Kampfesgeist und die überdurchschnittliche Schlagkraft. Meine Vermutung ist, dass man den jugendlich anmutenden Hauptdarstellern, zwei im Fantasygenre erfahrene Nebendarsteller zur Seite stellen wollte, damit die Serie nicht zu sehr in die Teenieschiene abrutscht. Wusstet ihr außerdem, dass die Shannara Chronicles auch in Neuseeland gedreht wurden?

Die Chroniken von Shannara: Die Bücher und die Serie

Ich selbst habe das erste Buch der Chroniken von Shannara gelesen und muss zugeben, dass sich meine Begeisterung doch sehr in Grenzen gehalten hat. Ich persönlich finde die Serie besser gelungen. Allerdings muss hier erwähnt werden, dass die Serie nicht auf dem ersten Buch „Das Schwert von Shannara“ sondern auf dem zweiten Band „Die Elfensteine“ basiert.  Einige Kritiker stimmen mir bei meiner Bewertung von Buch und Serie zu. So zum Beispiel Robert Lloyd von der Los Angeles Times:

[…] Elfstones of Shannara“ is a pretty straight-faced, even solemn read. Moving pictures require something different; messianic folderol is best served there with a little sex, and a little sassier. That has been provided.

Das Urteil von Neil Genzlinger von der New York Times fällt gemischt aus. Hier äußert er sich aber durchaus positiv:

So give this reasonably absorbing series a little credit, even though it often seems to be merely reworking various fantasy formulas. It moves quickly and does a nice job of weaving together two story lines […].

Genzlinger macht auch eine Andeutung von Brooks Verhältnis zu Tolkien. Dieser soll nämlich ein großer Fan Tolkiens gewesen sein und basierend auf seiner Begeisterung zur Welt, die Tolkien erschuf, soll Brooks dann letztendlich den  Berufswechsel vom Rechtsanwalt zum Schriftsteller vollzogen haben. Und als solcher war er durchaus ein sehr fleißiger. Ursprünglich war die Shannara-Reihe als Trilogie geplant. Mittlerweile umfasst die Shannara-Welt rund 20 Romane. Eine Übersicht zu diesen findet ihr hier.

Elfensteine
Bild 2: Taucht ein in die Welt der Shannara und entdeckt, wie mächtig die Elfensteine wirklich sind.

Fazit

Dass die Chroniken von Shannara an Herr der Ringe erinnert, ist also nicht verwunderlich. Allerdings muss man sagen, dass sich die Fantasyserie zwar Herr-der-Ringe-Elementen und sogar Schauspieler bedient, die erzählte Geschichte aber völlig eigenständig ist. Man kann also davon sprechen, dass die Serie von Herr der Ringe inspiriert wurde, aber ein Abklatsch ist sie auf gar keinen Fall. Mit ähnlichen Motiven, Schauspielern und Drehorten hat man lediglich versucht, an den Erfolg von Herr der Ringe anzuknüpfen. Da ist ja zunächst erstmal nichts Schlimmes dabei. Trotz der durchwachsenen Kritiken im Netz kann ich euch aber die Serie nur wärmstens empfehlen. Sie ist bildgewaltig, kurzweilig und hat eine schöne Storyline. Daher: Viel Spaß beim Ansehen auf Amazon.de!

Du stehst total auf Fantasy? Dann sind die Marvel Defenders, DC Superheldenfilme und Inhumans für Dich sicherlich auch spannend!

Fotocredits:

Titelbild: © 2015 Viacom International Inc. and Sonar Entertainment Distribution, LLC. // Bild 1: © 2015 Viacom International Inc. and Sonar Entertainment Distribution, LLC. // Bild 2: © 2015 Viacom International Inc. and Sonar Entertainment Distribution, LLC.

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