Atypical – Ist die Serie über Autismus ein Tabubruch?

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Geht Netflix mit Atypical zu weit?

Die Darstellung von Behinderungen oder Entwicklungsstörungen im TV ist ein heikles Thema. Die Netflixserie Atypical hat sich dem nun angenommen und zwar im Rahmen einer Comedyserie. Im Zentrum der Handlung steht Sam (Keir Gilchrist), ein amerikanischer Teenager, der an Autismus leidet. Gelingt Netflix der Spagat zwischen realistischer Darstellung, Respekt gegenüber dem Krankheitsbild und dem Anspruch seine Zuschauer zu unterhalten? Oder schießt sich der amerikanische Streaming Dienstleister mit dieser Produktion ein Image-Eigentor?

Was ist Autismus?

Bei Autismus handelt es sich um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die in der Fachsprache als Autismus-Spektrum-Störung bezeichnet wird. Das wohl bekannteste Symptom ist der soziale Umgang mit anderen Menschen. Hinzu können noch Verständigungsprobleme kommen sowie Schwierigkeiten mit dem Neuen (Situationen, Orte etc.). Zusätzlich kann es noch Intelligenzbeeinträchtigungen geben. Das muss aber nicht der Fall sein. Das war es jetzt aber schon an Wissensinput.

Atypical – Comedy oder Tragedy?

Autismus ist sicherlich ein Thema, mit dem sich Netflix im Rahmen einer Comedyserie auf dünnes Eis begibt. Allerdings sollten wir anfangen, über Entwicklungsstörungen und Behinderungen zu reden. Schließlich ist es das Unbekannte, wovor die meisten Menschen Scheu oder Angst haben. Atypical versucht es auf humorvolle Art und Weise. Sam geht in die High School, zum Therapeuten und hat sogar einen Nebenjob. Eine Freundin möchte er auch noch haben. Die Serie zeichnet also ein sehr hoffnungsvolles Bild. Ich kann jetzt nicht für betroffene Familien sprechen aber aus meiner Sicht, hat die Serie nicht den Anspruch zu sehr zu beschönigen.

Atypical Quote by Sam
Bild 1: Wir wünschen dir auf jeden Fall viel Erfolg dabei, Sam!

Sams glückliches Leben hat einen Preis

Bei Atypical sagt Sam den Menschen seine Meinung direkt ins Gesicht und hält seine Mitmenschen zu Pinguinen zu deren Leidwesen immer auf dem Laufenden. Er macht einen glücklichen Eindruck, auch wenn sein Gesicht immer den gleichen Ausdruck hat. Doch das Glück hat seinen Preis und ist mit ständiger Anstrengung seiner Familie und Freunden verbunden. Eine kleine Lappalie, in unseren Augen, kann Sam völlig aus dem Gleichgewicht werfen. Um das zu vermeiden, holt sich seine Mutter Elsa (Jennifer Jason LeighHilfe in einer Selbsthilfegruppe, geht Sam zu seiner Therapeutin Julia (Amy Okuda) und passt seine Schwester Casey (Brigette Lundy-Paine) auf ihn in der Schule auf.

Atypical zeigt: Autismus ist nicht einfach

Die Ehe der Gardners steht auf der Kippe. Elsa liebt ihren Sohn aber möchte auch mal egoistisch sein. Sein Vater Doug (Michael Rapaporthatte zu Beginn Probleme damit, zu seinem Sohn zu stehen. Die sarkastische Casey ist zwar völlig eigenständig, aber möchte nicht immer das Kind sein, das an zweiter Stelle steht. Das klingt alles sehr ernst? Das ist es auch. Atypical zeigt aber, dass die Krankheit eines Kindes eine große, manchmal übermannende Herausforderung ist, aber nicht heißt, auf Glück und Freude zu verzichten. Mit lustigen Momenten, die Atypical definitiv liefert, schafft Netflix es, die Schwere des Themas herauszunehmen. Gleichzeitig geht die ernste Problematik aber nicht verloren.

Was sagt die Facebook Community zu Atypical?

Die Frage nach dem Tabubruch hat mich noch weiter umgetrieben. Deswegen habe ich diesen Artikel in die Facebook-Gruppe Netflix Deutschland gestellt und habe die Mitglieder darin gefragt, was sie vom Thema Autismus in einer Comedyserie halten. Da haben sich dann sogar Betroffene zu Wort gemeldet. Ein paar dieser Kritiken möchte ich euch nun präsentieren. Aus Gründen des Persönlichkeitsrechtes habe ich die Namen natürlich anonymisiert.

„Ich habe die Serie am Freitag angefangen & finde sie einfach nur niedlich, was anderes kann ich dazu nicht schreiben ☺ Leider steckt schon viel Wahrheit in der ersten Staffel & ich mag den Humor.“  – Lulu

„Ich habe selber ein Sohn (13 J.), der Autist ist, und als ich die Serie bei Netflix gesehen habe, musste ich auch rein gucken 🙂 war sehr angetan bin noch recht am Anfang und der Junge Mann spielt das auch echt super. Ich schaue das definitiv weiter!“ – Philipp

„Dass es überhaupt als Tabubruch gilt über eine „Krankheit“ zu reden… Es trägt generell mehr zu einer offenen Gesellschaft bei wenn Dinge nicht tabuisiert werden und mehr aufgeklärt wird. Wobei ich dieses Serie nicht unbedingt als aufklärend empfinde, sondern sowie {…} schon erwähnt hat, oberflächig und mit Humor behandelt. Aber dazu eignen sich Dokus glaube ich mehr.“ – Dana

„Ich als Betroffene (Asperger Syndrom) finde es doch ein bisschen zu gestellt und vor allem viel zu Amerikanisch. Es geht fast nur immer um ein Thema (mag nicht spoilern) und vieles andere was Autisten wirklich umtreibt wird nie erwähnt. Natürlich ist es nicht einfach, sowas zu verfilmen, aber gerade in einer Serie hätte man gut Zeit um etwas tiefer in das Thema Autismus einzutauchen.“ – Andi

Ich finde toll, dass sogar von Autismus Betroffene die Serie positiv bewerteten, wenn auch die authentische Darstellung noch ein wenig ausbaufähig sei.

Was macht Atypical so sehenswert?

Netflix erfindet das Genre der Comedyserie bzw. der Dramedyserie hier nicht neu. Dafür ist die Zusammenstellung der Gardners fast schon Comedyserien-stereotypisch, aber es funktioniert. Nach meinem Empfinden meistert Netflix den Drahtseilakt zwischen Komik und Ernsthaftigkeit gegenüber Autismus ganz gut. Zum anderen machen die Gardners einfach Spaß. Elsa versucht ihren Kinder ihre Liebe zu zeigen, doch bekommt von keinem der beiden Kinder jemals Bestätigung zurück. Ernüchterung pur. Wer drauf steht, kommt hier voll auf seine Kosten. Casey glänzt mit Wortwitz und Ironie. Doug wirkt etwas naiv und in Sachen Frauen bekommt Sam die besten (schlechtesten) Tipps von seinem Arbeitskollegen und Vollzeit-Nerd Zahid (Nik Dodani). Hatte ich schon erwähnt, dass Sams Therapeutin Julia selbst leichte psychische Probleme hat? Nein, dann zögert nicht länger und schaltet Atypical ein. Seht dabei selbst, wie Sam zu seiner ersten Freundin kommt und wie er sich dabei schlägt.

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Fotocredits:

Titelbild: Khairul Nizam / pexels.com // Bild 1: © Sebastian Hering / xebax.de

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